Von 0 auf 100 – Fotoprojekt zeigt Menschen von Geburt bis zum Tod

Wer sich engagiert, findet sein Zuhause. Diesem Motto entsprechend engagieren sich viele Menschen in kleinen Viertel-Projekten. Eine besonders aktive Initiative ist „Ka!sern“, ein Nachbarschaftsprojekt im Dortmunder Kaiserstraßenviertel. Hier sind demnächst Fotos „Von 0 auf 100“ zu sehen – der Fotograf Wolfgang Niehoff hat Menschen des Viertels in allen Altersgruppen porträtiert.

 

Wir haben dem Fotografen Wolfgang Niehoff ein paar Fragen zu seinem Projekt gestellt:

Forum Dunkelbunt: Wie sind Sie auf die Idee zu diesem Fotoprojekt gekommen?

Wolfgang Niehoff: Die Grundidee ist es, Menschen aus dem Viertel zu porträtieren und mit ihnen im Rahmen unserer Nachbarschaftsinitiative Ka!sern ins Gespräch zu kommen. Insofern korrespondiert dieses Projekt mit unseren bisherigen, vielfältigen Aktionen und Veranstaltungen. Dem lebendigen und vielfaltigen Charakter des Kaiserviertels entsprechend sollten sich Jung und Alt fotografieren lassen. Das Ausstellungsthema/-motto selbst ist sicher nicht neu, bei allem Aufwand aber dennoch im jeweiligen Raum-Ort-Zusammenhang herausfordernd, ambitioniert und lohnenswert. Zumal es meinen Augen immer spannend ist, Menschen (aller Altersklassen) in ihrer Vielfalt und ihren Eigenarten, aber insbesondere mit einem „Lächeln“ im Gesicht zu zeigen.

Forum Dunkelbunt: Was ist das Ziel Ihrer Arbeit gewesen?

Wolfgang Niehoff: Wir wollten versuchen, Menschen und ViertelbewohnerInnen möglichst vieler, besser aller(!) Alters-Jahrgänge von null- bis hundertjährig in Porträts zu dokumentieren. Das Foto-Projekt „Von 0 auf 100“ ist darüber hinaus auch eine Möglichkeit, generationenübergreifend Kontakt mit Passanten und Anwohnern zu suchen und herzustellen. Hinzu kommt der Aspekt, den Projektraum selbst als Ort der Begegnung im Kaiserviertel bekannter und für weitere Menschen interessant zu machen, indem zunächst einmal die rein faktisch-räumliche „Hemm“-Schwelle über das „im Projektraum fotografiert werden“ abgebaut wird. Aber auch die resultierende Ausstellung als unkompliziertes Veranstaltungsangebot öffnet den Raum für „mehr“ Interessierte.

Forum Dunkelbunt: Wie hat die Umsetzung funktioniert – wie sind Sie vorgegangen?

Wolfgang Niehoff: In einem ersten Schritt haben wir Passanten vor dem Projektraum selbst direkt angesprochen und zur kostenfreien Teilnahme eingeladen. Es brauchte dazu durchaus mal mehr, mal weniger Überredungskunst, aber grundsätzlich zeigten sich erstaunlich viele Menschen bereitwillig und für das Projekt offen. Allerdings sind natürlich die unterschiedlichen Altersstufen „auf der Strasse“ nicht gleichermaßen vertreten bzw. präsent. Deshalb war klar, dass wir ältere Mitmenschen „zuhause“ aufsuchen mussten. Dazu haben wir dann den Kontakt zu den Caritas-Altenzentren „Bruder-Jordan-Haus“ und „Am Propsteihof“ aufgenommen und auch dort Porträtaufnahmen gemacht. Die Vollständigkeit aller Jahrgänge war zunächst mal gar nicht das leitende Moment für das Projekt. Der Ehrgeiz nach Vollständigkeit wird dann aber doch geweckt, wenn nur noch eine kleine Anzahl von Jahrgängen fehlt.

Forum Dunkelbunt: Gab es Komplikationen oder erfreuliche Ereignisse am Rande?

Wolfgang Niehoff: Über das Fotografieren selbst kommt man natürlich ins Gespräch miteinander und die Fotos spiegeln eine freundlich-interessierte Offenheit der jeweiligen Persönlichkeiten sowie die entspannte Atmosphäre in den jeweiligen Aufnahmesituationen. Das ist eigentlich die erfreulich-spannende Erfahrung: viele Menschen sind alters- und kulturunabhängig menschenfreundlich und austauschoffen. Andererseits zeigte sich in den unmittelbaren Ansprechsituationen „auf der Straße“, also in der „überfallartigen“, unvermittelten Kontaktaufnahmen, das viele Menschen direkt abwinkend, kommentarlos und eher gehetzt ihre „Ruhe“ haben wollten. Im Alltagstrott lässt sich nun mal nicht jeder/r gerne ansprechen und auch noch fotografieren.

Forum Dunkelbunt: Was ist Ihr persönlicher Eindruck von dem Projekt „Von 0 auf 100“, jetzt, wo es fertig ist – was kann es dem Betrachter vermitteln?

Wolfgang Niehoff: Einerseits spiegeln die Porträtfotografien das breite, vielfältige Spektrum der Menschen. Desweiteren glaube ich: als Betrachter erfährt man sich in der Ausstellung gerade auch selbst in der abgleichenden „Begegnung“ mit dem Gegenüber sowie den eigenen Einstellungen und Erfahrungen zum „Jung-Alt-Sein“ und –„Fühlen“. Auch in diesem Sinne nehme ich aus dem Projekt als persönliche Erfahrung den tiefen Respekt vor dem Alter und den je individuellen Lebensläufen der älteren Generationen mit.

28.08.2019

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