Der Umgang mit einem gestorbenen Menschen ist in Nigeria ein wesentlicher Bestandteil der Kultur. Das Lindsay Lodge Hospiz (Scunthorpe/England) veröffentlichte hierzu etwas, weil das Team einiges darüber erfahren hat von Ndidiamaka Oji, einer angehenden Allgemeinmedizinerin der Lindsey Lodge Klinik , die ursprünglich aus Nigeria stammt:
In Nigeria, einem Land reich an kultureller und religiöser Vielfalt, ist die Auseinandersetzung mit dem Tod vielschichtig und tief in Traditionen, Glaubensvorstellungen und sozialen Strukturen verwurzelt.

Über den Tod sprechen: Eine Mischung aus Akzeptanz und Tabu
In Nigeria wird der Tod oft als natürlicher und unvermeidlicher Teil des Lebens betrachtet, als Übergang und nicht als endgültiges Ende. Diese Sichtweise ist geprägt von indigenen Jenseitsvorstellungen und der bedeutenden Rolle der Ahnen. Die Yoruba beispielsweise glauben an die Reinkarnation und daran, dass die Geister der Ahnen weiterhin mit den Lebenden in Verbindung stehen. Auch die Igbo sehen den Tod als Übergang in eine neue Welt.
Trotz dieser allgemeinen Akzeptanz der Sterblichkeit gilt das offene Sprechen über den Tod, insbesondere den eigenen, in vielen nigerianischen Kulturen immer noch als Tabu. Über den Tod zu sprechen, wird oft als „Herausforderung des Todes“ verstanden. Stattdessen drehen sich Gespräche häufig um allgemeine Aussagen über Gottes Willen oder das Schicksal im Todesfall. Der Tod junger Menschen ist besonders schwer zu akzeptieren und wird mitunter eher böswilligen Kräften als natürlichen Ursachen zugeschrieben. Die Beerdigung eines jungen Menschen unterscheidet sich stark von der eines älteren und ist viel intimer. Es gilt oft als Tabu, dass Eltern ein Kind beerdigen, weshalb sie selten an den Beerdigungszeremonien ihrer eigenen Kinder teilnehmen.
Umgang mit dem Tod: Aufwendige Rituale und gemeinschaftliche Unterstützung
Die nigerianische Kultur kennt aufwendige und vielfältige Rituale rund um Tod und Trauer. Sie spiegeln den Glauben wider, dass angemessene Zeremonien den friedlichen Übergang des Verstorbenen ins Jenseits gewährleisten und ihn daran hindern, die Lebenden heimzusuchen. Diese Bräuche sind tief in Ethnizität und Religion verwurzelt.
Traditionelle Bestattungspraktiken
Yoruba: Die „Isinku“-Bestattungsriten können zwei bis drei Tage dauern und beinhalten Rituale („Etutu“), die den Geist ins Jenseits geleiten sollen, in der Erwartung der Wiedergeburt. Reinigungsriten, das Ankleiden des Leichnams in Weiß und manchmal das Bereitstellen von Proviant für die Reise sind üblich.
Igbo: Traditionelle Bestattungen umfassen zwei Trauerfeiern und eine Totenwache. Die Totenwache findet vor der eigentlichen Beerdigung statt. Die erste Trauerfeier wird dann im Wohnzimmer des Verstorbenen abgehalten, wo wertvolle Besitztümer, Gaben und Speisen dargebracht werden, um das Leben zu feiern. Die Beerdigung selbst findet oft auf dem Familiengrundstück statt. Im Anschluss daran folgt eine aufwendige Feier, um sicherzustellen, dass der Verstorbene seinen Platz unter den Ahnen einnimmt. Der Bestattungsprozess kann sich über drei bis vier Tage erstrecken, oft von Freitag bis Sonntag. Hier ist eine detailliertere Aufschlüsselung:
Tag 1 (Freitag): Totenwache, Gesangsgottesdienst oder Kerzenwache. Dies ist eine Zeit, in der Freunde und Verwandte zusammenkommen, Erinnerungen austauschen, Hymnen singen und ihre Anteilnahme bekunden.
Tag 2 (Samstag): Dies ist der Haupttag der Beerdigung und umfasst typischerweise mehrere Elemente:
– Aufbahrung und Abschiednahme: Dies findet üblicherweise auf dem Familiengrundstück oder im Haus des Verstorbenen statt. Die Aufbahrung kann im kleinen Kreis oder öffentlich stattfinden, je nach Wunsch der Familie. Manche Familien verzichten auch ganz darauf.
– Kirchliche Zeremonie oder Dankgottesdienst: War der/die Verstorbene Christ/in, findet in der Regel ein feierlicher Gottesdienst in der Kirche oder auf dem Familiengrundstück statt. Er umfasst Gebete, Trauerreden und Lieder.
– Beisetzung: Die eigentliche Beisetzung findet statt, oft auf dem Familiengrundstück oder einem Friedhof.
– Empfang/Gedenkfeier: Nach der Beisetzung wird ein großer Empfang veranstaltet. Die Gäste tragen Aso-Ebi (traditionelle Kleidung), und es gibt üblicherweise Essen, Getränke, Musik, Tanz und das Überreichen von Geschenken. Diese Geschenke können Geld in Umschlägen, Nutztiere (wie Kühe) oder andere Gaben als Zeichen der Anteilnahme und Ehre für den/die Verstorbene/n sein.
Tag 3 (Sonntag): Gottesdienst – Die engste Familie nimmt an einem Dankgottesdienst in der Kirche teil, um für die gelungene Bestattung zu danken und dem Andenken des/der Verstorbenen zu gedenken.
Gemeinsamkeiten in verschiedenen Kulturen
Totenwache/Gesangsgottesdienst: Eine Zusammenkunft vor der Beerdigung, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen, Erinnerungen auszutauschen, zu beten und manchmal auch Musik zu machen und zu tanzen.
Trauerkleidung („Aso Ebi“): Familien tragen bei Beerdigungen oft bestimmte Farben und traditionelle Kleidung, wobei dunklere Farben für jüngere Verstorbene und hellere Farben für ältere verwendet werden.
Aufwendiges Festessen: Nach der Beerdigung findet ein großes Beisammensein mit Speisen und Getränken statt, um das Leben des Verstorbenen zu feiern und die Gemeinde zusammenzubringen. Bei prominenten Persönlichkeiten kann dies mehrere Tage dauern.
Zweite Bestattung: Diese Praxis wird von einigen ethnischen Gruppen ausgeübt, um sicherzustellen, dass der Verstorbene einen friedlichen Übergang ins Jenseits hat.
Trauer und Verlust
Trauer ist in Nigeria oft ein gemeinschaftliches Erlebnis. Die Großfamilie und die Gemeinde spielen eine wichtige Rolle bei der Unterstützung der Hinterbliebenen und bieten emotionale und praktische Hilfe bei den Bestattungsvorbereitungen. Die Trauerzeiten sind unterschiedlich, einige Religionen wie der Islam kennen festgelegte Dauern. In Nigeria ist es üblich, dass Witwen nach dem Tod ihres Mannes sechs Monate lang Weiß tragen, als Zeichen ihrer Verbundenheit.
Das Verständnis dieser kulturellen Nuancen ist während der Dying Matters Awareness Week von entscheidender Bedeutung, da es verdeutlicht, dass Trauer zwar ein universelles menschliches Gefühl ist, die Art und Weise, wie wir mit dem Tod umgehen, darüber sprechen und ihn begehen, jedoch von unseren unterschiedlichen Kulturlandschaften geprägt ist.
Der ganze Text auf den Seiten des Lindsay Lodge Hospiz
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