Bestattung mit Hund oder als Schalker – Viel Hype, wenig Gräber

Schalke Fan Feld

Begeistert feiern die Medien die Ankündigungen von außergewöhnliche Grab-Feldern und Bestattungsformen. Tatsächlich aber lassen sich dort dann doch nicht sehr viele Menschen beerdigen. Die reale Nachfrage beispielsweise auf dem Fußballfriedhof in der Nähe des Schalke-Stadions oder auf dem Mensch-und-Hunde-Friedhof in Essen ist nicht riesig.

Uli Heynen - Friedhöfe Dortmund
Uli Heynen – Friedhöfe Dortmund.

Die Stadt Dortmund hatte bereits 2006 zur Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland ein Grabfeld auf dem Hauptfriedhof geplant, das die Bezeichnung „Nach dem Abpfiff“ tragen sollte. Die Anlage wurde aber nicht gebaut, da Umfragen ergeben hatten, dass eine ausreichende Nachfrage nicht bestand. Das erklärt Uli Heynen, Geschäftsleiter Technik der Dortmunder Friedhöfe, in einem Gespräch mit Dunkelbunt:

"Unser Hafen" in Essen
„Unser Hafen“ in Essen – großer Medienhype, wenig Bestattungen

Dunkelbunt: In Essen bietet „Unser Hafen“ die Möglichkeit, dass man sich in einem Gemeinschaftsgrab mit dem Haustier bestatten lassen kann. Wäre dies nicht auch etwas für die Friedhöfe in Dortmund?

Uli Heynen: So etwas wird von den Medien gehypt – aber die Nachfrage ist meistens gar nicht so groß, wie man anhand der zahlreichen Medienberichte vielleicht glaubt. Das betrifft auch die Bestattung mit Haustier, die in Essen angeboten wird – wir haben überlegt, ein solches Feld in Dortmund einzurichten, aber sind von der Nachfrage nicht überzeugt. Als damals die Nachfrage nach sarglosen Bestattungen für Muslime aufkam, haben wir dies in Dortmund sofort zugelassen – aber in der Realität sind es nur wenige Fälle im Jahr, in denen tatsächlich so bestattet wird. Man muss immer genau prüfen, ob eine tatsächliche Nachfrage existiert.

Das Schalke-Fanfeld in Gelsenkirchen
Das Schalke-Fanfeld in Gelsenkirchen

Dunkelbunt: Sie hatten aber auch schon einmal die Idee, einen Fußballfriedhof anzulegen.

Uli Heynen: Ja, wir hatten hier auch mal ein tolles Fußballfeld geplant zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006. In Deutschland existierte zur damalige Zeit einzig in Hamburg ein ähnlicher Beisetzungsort. … da dachten wir, es wäre eine gute Idee, auf einer unbelegten Fläche auf dem Hauptfriedhof einen Beisetzungsort für Fußballfans einzurichten. Allerdings sollte dieses Feld nicht „vereinsbezogen“, sondern „interkonfessionell“ sein.

Unsere Planung war gut, man hätte schon aus dem Flugzeug heraus einen großen Ball erkannt, wenn man Dortmund angeflogen hätte. Die Beisetzungsfläche sollte das Spielfeld, der Mittelkreis für Urnen reserviert sein. Vier „Flutlicht-Bäume“, eine Tribüne mit Banden und eine „Anzeigewand“ mit den Gedenktafeln der Toten hätten den Fußball-Friedhof umrahmt.

Dunkelbunt: Die Medien liebten Ihre Idee…

Uli Heynen: Ja, wir haben die Fläche kommunikationstechnisch vermarktet bis nach Argentinien – sogar dort gab es Pressetexte zu unserer Idee. Man könnte sagen, dass wir mit der Publicity mehr Erfolg hatten als Gelsenkirchen oder Hamburg, und das, ohne auch nur einen Spatenstich gemacht zu haben.

Dunkelbunt: Woran ist die Idee letztlich gescheitert?

Uli Heynen: Es sind eben dann doch nur sehr, sehr wenige Menschen, die sich auf so einer außergewöhnlichen Fläche bestatten lassen wollen.

Dunkelbunt: Was setzen Sie denn stattdessen an zeitgemäßen Ideen um?

Uli Heynen: Es gibt nichts, was wir in Dortmund nicht machen würden, wenn es gewünscht wird. Wir sind Vorreiter, was die Obstbaumgräber angeht. Als wir diese eingeführt haben, haben uns einige für nicht ganz auf der Welt erklärt, aber diese Bestattungsart läuft wunderbar. Wir haben in Kemminghausen damit angefangen, bieten es aber inzwischen auch auf anderen Friedhöfen an – immer dort, wo wir den Platz haben dafür, denn die Obstbaumgräber sind sehr platzintensiv. Dieses Angebot läuft super.

Weitere Infos:

Obstbaumgräber der Stadt Dortmund
Unser Hafen – Bestattung für Mensch und Tier 
Das Schalke-Fan-Feld

 

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