Kaugummis statt Blumen

Zum Grab von Jim Morrison zu pilgern, wenn man schon in Paris ist, gehört für Fans der „Doors“ wohl zum Standard. Was sie dann vor Ort vorfinden, ist eine äußerst originelle Form der Grabbeigabe: ein Baum vollgeklebt mit Kaugummis.

Die Kulturzeitschrift „Merkur“ kürte unter den zehn keimreichsten Touristenattraktionen den Pariser Friedhof Cimetiere du Pere Lachaise auf Platz drei. Das liegt unter anderem daran, dass hier die vielen Verehrern des Schriftstellers Oscar Wilde unbedingt seinen Grabstein küssen müssen. Dieser ist mittlerweile über und über mit Lippenstift-Abdrücken übersäht.

Neben dem Grab von Oscar Wilde findet man auf dem berühmten Pariser Friedhof zahlreiche weitere Berühmtheiten wie Yves Montand, Edith Piaf, Jean Paul, beide Simones (Signoret und de Beauvoir) und eben auch Jim Morrison.

Das Grab von Jim Morrison

Der „Doors“-Frontmann Jim Morrisson wird auch heute noch von Jung und Alt verehrt. „Doch, klar. Die Doors gehören zu meiner Jugend wie Wachs auf den Fingerkuppen und einsame Heimwege nach Partys, wie billiger Wein und selbst gedrehte Zigaretten,“ heißt es in einer Reportage der taz hierzu.

Die Platane in der Nähe…

„The Doors of Perception“ hieß das Buch, nach dem die Doors ihre Band benannt haben. Es ist ein Buch von Aldous Huxley über Drogenerfahrungen. Darin heißt es: „Würden die Pforten der Wahrnehmung (the doors of perception) gereinigt, würde den Menschen alles so erscheinen, wie es in Wirklichkeit ist: unendlich.“

Morrisons persönliches Leben war keineswegs unendlich. Viele Legenden rankten sich um seinen frühen Tod mit 27 Jahren in Paris, wohin er sich zurückgezogen hatte. Marianne Faithfull äußerte die Überzeugung, dass ihr damaliger Partner, Jean de Breteuil, Morrison mit Heroin versorgt habe, das angesichts von Morrisons Alkoholismus und Herzerkrankung zu stark für diesen gewesen sei. Jim Morrison wurde am Morgen des 7. Juli 1971 auf dem Pariser Ostfriedhof Père Lachaise beigesetzt.
Unendlich aber bleibt die Verehrung der Fans, die täglich zu Dutzenden zu dem eher bescheidenen Grab in der 6. Division, 2. Reihe, Grab 5 pilgern. Auf dem Grabstein liegen Blumen, aber auch leere Bier- und Weinflaschen – zur Erinnerung an Morrisons berüchtigte Zechtouren.
Und an der Platane nebenan kleben sie: unzählige Kaugummis, als Huldigung an den unvergessenen Amerikaner, der ein unsterbliches Erbe hinterlässt: seine Musik.
Fotos: Thorsten Haase

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