Lag Mozart gar nicht im Armengrab?

Wolfgang Amadeus Mozart, so erzählt der Film „Amadeus“ des Regisseurs Milos Forman, starb mit 35 Jahren und zwar so bettelarm, dass nur ein Armenbegräbnis in Frage kam. Aber anscheinend ist die Geschichte, seine schlichte Bestattung im Jahr 1791 sei ein Zeugnis seines wirtschaftlichen Ruins gewesen, eine Legende.

Formans Film von 1984 basiert auf dem 1979 uraufgeführten Theaterstück „Amadeus“ von Peter Shaffer, der auch das Drehbuch zum Film schrieb.

In der „Welt“ räumt Florian Stark mit dem Märchen auf, Mozart sei bettelarm gestorben. Mit 35 Jahren, im Alter seines Todes, war Mozart offenbar weiterhin ein gefragter Komponist. Für schlichtweg falsch hält sein Biograf Gernot Gruber das „alte und immer wieder aufpolierte Klischee vom einsamen, von der Gesellschaft verstoßenen, bitterarmen, verzweifelten und von Todesahnungen geplagten Mozart.“

Mozart lebte über seine Verhältnisse

Starks Theorie: „Mozart lebte einfach über seine Verhältnisse. Die waren üppig genug. Man hat errechnet, dass sein Jahreseinkommen nach heutigem Wert irgendwo zwischen 120.000 und 150.000 Euro gelegen haben muss, manchmal war es auch wesentlich mehr. Damit hätte sich selbst im noblen Wien leicht ein gutbürgerlicher Haushalt finanzieren lassen.“

Wenige Wochen nach der Uraufführung der Oper „Zauberflöte“ wurde Mozart am 20. November bettlägerig, am 5. Dezember, fünf Minuten vor 1 Uhr früh starb er. Er wurde nicht ganz 36 Jahre alt. Als Todesursacher wurde durch den Totenbeschauer „hitziges Frieselfieber“ genannt, damit war wohl „die Kombination eines hoch fieberhaften Krankheitsverlaufs mit einem sichtbaren Hautausschlag“ gemeint – vielleicht auch eine psychische Erkrankung, wie manche vermuten.

Klappsarg war üblich damals

1791 beerdigte man Mozart auf dem Wiener Friedhof „Sankt Marxer“. In der Dunkelheit wurde der berühmte Komponist Wolfgang Amadeus Mozart mit einem wiederverwendbaren Klappsarg in einem namenlosen Reihengrab mit anderen Verstorbenen beigesetzt.

Dieser Klappsarg, oder laut Wikipedia auch Sparsarg genannt, bezeichnet einen wiederverwendbaren Sarg, den der Kaiser Joseph II. 1785 in Österreich einführte. Dieser Sarg war an der Unterseite mit einer Klappe ausgestattet – so konnte der Sarg mehrfach verwendet werden. Der in einen Leinensack gehüllte Leichnam wurde mit gelöschtem Kalk bedeckt. Jede Pfarrei musste unentgeltlich diese Särge zur Verfügung stellen – damit entfiel die vorschriftswidrig überhöhte Gebühr, die die Kirche für Beerdigungen kassierte. Aber die Bevölkerung protestierte erfolgreich gegen dieses „gottlose Vorgehen“, weshalb Joseph II. seine Weisung einige Monate später wieder zurücknahm. Dennoch haben sich einzelne Sparsärge erhalten.

Foto: Marc Ahrens

Zum Nachlesen:
Mozart im Armengab? Die etwas andere Geschichte vom Tod eines Genies (Welt, 09.12.2016)

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