Drittgrößter Friedhof Deutschlands – der zweite Spaziergang

Auch zum zweiten Friedhofsspaziergang über den Dortmunder Hauptfriedhof trafen sich wieder ein Dutzend Interessierte. Stationen waren das Frühgeborenenbestattungsfeld, die Kriegsgräberreihen, das muslimische Bestattungsfeld sowie das Aschestreufeld. Es wurde reichlich die Gelegenheit genutzt, um sich auch persönlich auszutauschen.

Dortmunds Hauptfriedhof ist der drittgrößte Friedhof Deutschlands – der größte liegt in Hamburg Ohlsdorf und der zweitgrößte in Stahnsdorf/Brandenburg vor den Toren Berlins. In Dortmund stieg die Einwohnerzahl durch die Industrialisierung rapide. Die Planungen für einen großen kommunalen Friedhof begannen 1912 und 1921 war es dann soweit: Der Friedhof wurde 1921 in Betrieb genommen.

Die Gräber der Kriegstoten auf dem Dortmunder Hauptfriedhof. Foto: Marc Ahrens

Mehr als die äußeren Fakten interessierte die Spaziergänger jedoch der persönliche Austausch untereinander. Was macht es mit einem selbst, wenn man an den langen Reihen der Kriegsgräber vorbeiläuft? „Hinter jedem einzelnen Kreuz verbirgt sich ein persönliches Drama,“ erzählte Beate Schwedler, Vorsitzende des Vereins Forum Dunkelbunt. Diese einzelnen, persönlichen Geschichten erfährt sie oft in den Trauergesprächen mit den Familien, wenn es um die Ausarbeitung einer Trauerrede geht.

Beim Stichwort „Familiengeschichten“ hatte auch Ruud van Laar etwas beizutragen, der sich dem Spaziergang angeschlossen hatte, denn als Disc Jockey ist er auch bei Familienfeiern konfrontiert mit einer Familien-Konstellation – und einer Familien-Geschichte. Nicht immer einfach…

Außerdem konnte van Laar erzählen, wie es ihm als Niederländer in Deutschland erging – die Vorurteile waren auf beiden Seiten groß und nur schwer auszuräumen.

Feld für muslimische Bestattungen

Weiter ging es zum Grabfeld für muslimische Bestattungen. Warum eigentlich – stellte sich die Frage, könnten muslimische Gräber und christliche nicht nebeneinander liegen auf dem Friedhof? Die Ausrichtung nach Mekka und die vierzigtägige Unruhe der Toten sind dabei ausschließlich religiös motivierte Begründungen – die nicht jedem einleuchten.

Dagmar Petzgen erläutert Details muslimischer Bestattungsrituale am muslimischen Grabfeld

Aber die Empfindlichkeiten, wenn es um den Tod und den Umgang mit den Toten geht, sitzen eben doch bei den meisten tief – und manchmal im kleinsten Detail. Die einen können die Vorstellung nicht ertragen, dass ein Körper im Sarg verwest, anderen ist es ein Gräuel, einen Körper verbrannt zu wissen. Wäre es nicht schöner, wenn die Angehörigen nicht nur ein Schippchen Erde beitragen, sondern selbst das ganze Grab zuschaufeln? Im konkreten Austausch über die vielen kleinen Details rund um den Tod, die sonst nicht besprochen werden, zeigt sich, dass alle ein gewisses Maß an Respekt und Pietät erwarten- nur wie dies auszusehen hat, darüber gehen die Meinungen auseinander.

Rhododendron in voller Blüte

Den Hauptfriedhof erlebte die Spaziergruppe aber vor allem auch als gigantisch große Parkanlage – doppelt so groß wie der Westfalenpark und damit die größte Grünfläche in Dortmund.

Und wie bestellt graste in der großen Senke denn auch eine Herde Schafe mit etlichen Lämmern.

Schafe auf dem Hauptfriedhof Dortmund

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