Gift. Eine Ehegeschichte auf Bochumer Bühne

Einen großartigen Theaterstoff bringt das Schauspielhaus Bochum auf die Bühne: Es geht um einen Mann und eine Frau, die sich auf dem Friedhof treffen, auf dem sie vor zehn Jahren ihr Kind beerdigt haben. Ihre Unfähigkeit, gemeinsam zu trauern, hat sie auseinandergetrieben – wie es in 80 Prozent der Beziehungen geschieht, die den Verlust eines Kindes verkraften müssen.

Stoff weiterhin im Schauspielhaus

In der Regie von Heike M. Götze spielten Bettina Engelhardt und Dietmar Bär diese eindringliche Ehegeschichte im Schauspielhaus – und begeisterten das Publikum mit intensivem Spiel. In der kommenden Spielzeit 2018/2019 kann man zwar Dietmar Bär nicht mehr in der Hauptrolle sehen, aber der Stoff bleibt in Bochum: Johan Simons inszeniert ihn dann für die Kammerspiele mit Elsie de Brauw in der weiblichen Hauptrolle.
Dietmar Bär und Bettina Engelhardt in „Gift. Eine Ehegeschichte“

Dietmar Bär über das Stück: „Es beginnt beinah banal, aber die Emotion ist von Anfang an da. Mich hat dieses unglaubliche An-einander-vorbei-Reden beeindruckt. Ich erlebe, dass zwei Menschen in einem Raum so unendlich weit auseinander sind. Ich habe mich, auch alskinderloser Mensch, gefragt, was mit diesen Menschen passiert, die durch diesen Schicksalsschlag so unendlich weit auseinander katapultiert.“

An-einander-vorbei-Reden

Sie kann sich von der Trauer nicht lösen – er hat schließlich die Koffer gepackt und ist gegangen. Denn es gab „immer nur ihre Trauer, immer nur ihr Drama“. Sie haben sich seitdem nicht gesehen, doch sie sind zutiefst verbunden durch den Schmerz, der sie nicht loslässt. Sie werden von alten Erinnerungen überfallen und von dem alten Streit und von den immer gleichen Fragen: Wann hört die Trauer auf? Darf die Trauer überhaupt aufhören? Hat man etwas zu lernen aus diesem Verlust – außer, dass das Leben manchmal einfach scheiße ist?

Grenze des Lebens

Der Tod ihres Kindes hat sie an die Grenze des Lebens geführt – und seitdem verharren sie dort. Schmerz und Trauer wirken in ihnen wie ein schleichendes, bitteres Gift. Das Weiterleben bedeutet für beide etwas anderes. Sie kann die Trauer und die Erinnerung an ihr Kind nicht loslassen, er sucht ein neues Leben in einem neuen Land. Und nun führt sie eine organisatorische Notwendigkeit zusammen, auf den Friedhof, auf dem ihr Kind beerdigt liegt.

Nur gemeinsam können wir trauern

Sabine Scheich im Programmheft: „Gift oder Gabe, Tod oder Leben – die beiden haben die Wahl. Sie haben den Tod erfahren, aber ob sie das Gift des Todes oder die Gabe des Lebens annehmen, ist eine Frage ihrer Perspektive. Diese Öffnung hin zu neuem Leben erfahren sie durch ihre Begegnung, denn die Geschichte lässt sich nicht allein beenden. Die existenziellen Erfahrungen unseres Lebens sind keine, die wir allein bestehen, sondern nur mit anderen können wir als Menschen existieren. Das heißt, nur mit anderen gemeinsam können wir trauern und lieben, können wir leben und sterben. Der Schmerz wird nicht weniger dadurch, aber wir können ihn überleben.“

Fazit: Dieses Stück der niederländischen Autorin Lot Vekemans ist kein Stück über den Tod, sondern darüber, wie wir mit ihm leben.

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